Im Jahr 2025 zeigen sich viele Unternehmen zurückhaltender gegenüber dem klassischen Homeoffice. Nach der Hochphase der Pandemie und der damit verbundenen massiven Umstellung auf das Arbeiten von zu Hause aus, beobachten wir nun eine deutliche Verschiebung: Die Anzahl der Arbeitstage, die komplett im Homeoffice verbracht werden, sinkt deutlich. In einigen Industrieländern arbeiten Arbeitnehmer heute nur noch etwa 25 Prozent ihrer Tage zuhause, statt wie während der Lockdowns rund 60 Prozent. Diese Entwicklung verdeutlicht, wie stark sich die Arbeitswelt wieder hin zum Büro orientiert.
Unternehmen und Führungskräfte nennen vor allem Effizienzgründe für die Rückkehr ins Büro. So berichten manche, dass Mitarbeitende im traditionellen Büro deutlich mehr Stunden „am Schreibtisch“ verbringen. Zudem können Aufgaben schneller koordiniert und spontane Absprachen ohne digitale Hürden getroffen werden. Die unmittelbare Kommunikation ohne Verzögerungen durch digitale Tools steigere die Effektivität der Zusammenarbeit. Daraus leiten viele Firmen ab, dass die Produktivität im Büro höher liege und die Teamdynamik stärker sei. Deshalb führen sie zunehmend Anwesenheitspflichten ein oder reduzieren die erlaubten Homeoffice-Tage.
Diese Rückkehr zur Präsenzarbeit wird unter anderem vom Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) bestätigt, das berichtet, dass viele Firmen den Büroalltag bevorzugen – mit dem Argument, dass dort die Produktivität und der Teamzusammenhalt besser sind. Für viele Unternehmen scheint der persönliche Austausch inzwischen unverzichtbar zu sein.
Die Datenlage ist jedoch uneinheitlich. Andere Studien belegen, dass ein großer Teil der Beschäftigten im Homeoffice mindestens genauso produktiv ist wie im Büro. So geben etwa 61 Prozent der Befragten in Umfragen an, dass sie zuhause produktiver arbeiten als im traditionellen Büro. Diese Beschäftigten schätzen besonders die Ruhe und die flexible Gestaltung ihres Arbeitstages zu Hause. Dabei zeigt sich, dass die Effizienzvorteile des Homeoffice je nach Branche, Tätigkeit und Persönlichkeitsmerkmalen sehr unterschiedlich ausfallen.
Ein Problem, das zunehmend durch den längeren Aufenthalt im Homeoffice sichtbar wird, ist das Gefühl der sozialen Isolation. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fühlen sich oft einsam und berichten von fehlenden zwischenmenschlichen Kontakten. Besonders die junge Generation leidet unter diesem Zustand. Sie vermisst den spontanen Austausch, Gespräche in der Kaffeeküche oder das einfache Zusammensein im Büro.
Ein Beispiel ist Madeleine, 23 Jahre alt, die bei einer Krankenkasse arbeitet und seit fast drei Jahren täglich von zuhause aus tätig ist. In einem Interview beschreibt sie ihre Erfahrungen:
„Am Anfang war es großartig – keine Pendelzeiten, volle Flexibilität. Doch mittlerweile fühlt es sich sehr einsam an. Ich vermisse den Austausch beim Kaffee und einfach Menschen um mich herum.“ Sie gibt zu, dass die Isolation Auswirkungen auf ihre Motivation habe: „Es wird langweilig, die Sozialkontakte sind weniger geworden, und manchmal habe ich das Gefühl, ich vereinsame.“ Für Madeleine war das Büro immer mehr als nur ein Arbeitsplatz, es war auch ein sozialer Treffpunkt. Daher wünscht sie sich eine Rückkehr zu einer Mischform von Büro und Homeoffice. „Zwei bis drei Tage im Büro wären optimal – für den sozialen Kontakt und zur Strukturierung des Tages.“
Zusammenfassend lässt sich sagen: Homeoffice ist 2025/2026 keineswegs endgültig „out“, aber seine Rolle verändert sich. Unternehmen setzen wieder vermehrt auf Büropräsenz, um Effizienz und Koordination zu verbessern. Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Mitarbeitende, vor allem junge, den sozialen Kontakt im Arbeitsalltag vermissen. Die Produktivitätsstatistiken bleiben gemischt – es gibt keine eindeutige Überlegenheit eines der beiden Arbeitsorte. Die Zukunft wird wahrscheinlich in flexiblen, individuellen Modellen liegen, die Produktivität, Zufriedenheit und Teamzusammenhalt gleichermaßen berücksichtigen.
