Fritz-Kola unter Druck: Träumen von der Expansion, aber wo bleibt die Mitarbeiterschaft?

Im Herzen Hamburgs gibt es eine Marke, die sich unermüdlich gegen den Getränke-Giganten Coca-Cola behauptet – Fritz-Kola. Doch es gibt einen etwas anderen Grund, warum die Mitarbeiter des Unternehmens, die sich selbst als „fritzen“ mit kleinem f bezeichnen, ins Grübeln kommen. Während die Marke mit ihren provokanten Slogans und klaren Positionen für soziale Gerechtigkeit und gegen Diskriminierung wirbt, steht hinter den Kulissen die Frage, ob die gelebte Unternehmensphilosophie auch für die Angestellten gilt.

Die Geschäftsführer Mirco Wolf Wiegert und Florian Weins haben ehrgeizige Pläne: das Unternehmen soll weiter wachsen, vor allem mit einem neuen Dosen-Projekt schlagen sie einen frischen Kurs ein. Aber ein wichtiges Element scheint zu fehlen: eine formelle Mitarbeitervertretung oder ein Tarifvertrag, was in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit für die Belegschaft Fragen aufwirft. Auf eine Anfrage des Hamburger Abendblatts zur Bezahlung der Mitarbeiter, die nicht nach Tarif erfolgt, wird die Notwendigkeit von Flexibilität in Krisenzeiten betont. Laut Unternehmenssprecherin könnte ein Tarifvertrag hinderlich für das Wachstum sein.

Stattdessen verfolgt Fritz-Kola eigene, flexiblere Regelungen zur Vergütung. Die Gehälter werden anhand von Marktdurchschnittswerten festgelegt und regelmäßig überprüft, was vom Unternehmen als fair und verantwortungsvoll beschrieben wird. Dennoch bleibt in der Belegschaft eine Unzufriedenheit zurück, vor allem auf Bewertungsplattformen wie Kununu. Hier bewerten aktuelle und ehemalige Mitarbeiter die Vergütung als nicht konkurrenzfähig und beklagen, dass sie trotz großer Verantwortung und hoher Arbeitsbelastung unter dem Branchenschnitt verdienen.

Ein Außendienstmitarbeiter äußert auf Kununu seine Frustration über die mageren Gehälter von 3000 bis 3400 Euro brutto. Er erklärt, dass viele Kollegen das Unternehmen gerade wegen dieser finanziellen Rahmenbedingungen verlassen. Ein anderer Ex-Mitarbeiter warnt: „Bei einem Unternehmen, das global tätig ist, sind diese Gehälter nicht nachvollziehbar.“ So bleibt die Frage: Wie passt das mit dem imagebewussten Auftritt einer Marke zusammen, die auch soziale Werte verkörpert?

Anne Widder, Geschäftsführerin der Gewerkschaft NGG in Hamburg, sieht lt. Hamburger Abendblatt die Notwendigkeit eines Betriebsrates bei Fritz-Kola als überfällig an. Sie kritisiert, dass viele Mitarbeiter erst zu spät an die Gründung eines solchen Gremiums denken. Bislang gab es zwar Initiativen, aber der Weg zu einer formellen Vertretung scheint langwierig. Während das Unternehmen behauptet, es biete diverse Formate für den Austausch an, sind die äußeren Strukturen eines Betriebsrats nicht gegeben.

In Deutschland ist ein allgemeiner Rückgang der Betriebsräte zu verzeichnen. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft haben nur noch sieben Prozent der Unternehmen eine Arbeitnehmervertretung. In Hamburg betrifft das auch viele Firmen, die als Alternativen zu etablierten Herstellern aufgetreten sind. Die Gewerkschaften betrachten diese Entwicklung als alarmierend und fordern mehr politischen Rückhalt für die Rechte der Arbeiter.

Fritz-Kola mag sich als Progressive Marke präsentieren, doch der Mangel an formalen Vertretungen für die Mitarbeiter könnte dem Image schaden. Die Frage bleibt: Wie lässt sich die Botschaft einer sozialen Verantwortung mit der Realität einer unsicheren Bezahlung in Einklang bringen? Es könnte sein, dass die fritzen bald mehr als nur erfrischende Getränke verlangen werden – sie wollen eine Stimme haben, die gehört wird. Vielleicht ist genau hier der Handlungsbedarf für das zukünftige Wachstum der Marke.

 

Hinweis: Zuerst berichtete das Hamburger Abendblatt über das Thema